Dieburg war bis 1802 eine Exklave von Kurmainz und gehörte nicht zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt.
Dies änderte sich mit dem Reichsdeputationshauptschluss: Der Erzbischof von Mainz blieb zwar Glaubensherr, verlor jedoch seine weltliche Herrschaft. Nach 492 Jahren Zugehörigkeit zu Mainz fiel Dieburg an das evangelisch geprägte Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Dieburg war über Jahrzehnte ein bedeutender Mainzer Verwaltungsstandort gewesen. Stadtobere und Bevölkerung befürchteten nun einen Bedeutungsverlust – obwohl der Großherzog Dieburg zur Kreisstadt und zeitweise sogar zum Sitz eines Regierungsbezirks machte.
Dieburger Vertreter forderten deshalb einen eigenen Gerichtsbezirk, damit Rechts- und Grundbuchangelegenheiten nicht mehr im benachbarten Groß-Umstadt erledigt werden mussten. Die Anreise dorthin war damals beschwerlich und zeitaufwendig. Nach mehreren Vorstößen zeigte sich der Großherzog verhandlungsbereit. Er stellte einen eigenen Gerichtsbezirk in Aussicht, falls die Stadt ein geeignetes Grundstück kostenlos zur Verfügung stellen würde. Man ging jedoch davon aus, dass die Dieburger dazu nicht bereit sein würden.
Daraufhin wandten sich die Dieburger an Mainz. Dort unterstützte man das Anliegen und schenkte der Stadt einen Teil des Gartens der Wallfahrtskapelle als Baugrundstück für das neue Amtsgericht.
1899 informierten die Dieburger Stadtoberen die Landesregierung in Darmstadt. Die Planungen für den neuen Gerichtsbezirk und das Gerichtsgebäude begannen. In Groß- Umstadt stieß dies auf heftigen Widerstand, doch ohne Erfolg.
Der Gerichtsbezirk Dieburg wurde geschaffen und umfasste die heutigen Gemeinden Babenhausen, Münster, Eppertshausen und Groß-Zimmern sowie Gundernhausen, Grube Messel, Ober-Roden und Semd. Von 1903 bis 1905 entstand das Gerichtsgebäude. Am 1. Juli 1905 nahm das Gericht seine Arbeit auf.
Das Gebäude selbst wurde in architektonischer Anlehnung an die benachbarten Gebäude (Gnadenkapelle, altes Kloster bzw. jetzt Arbeitshaus) gestaltet. Mit Kirchenschiff inkl. entsprechender Fenster sowie einem Turm in dem sich auch der Wasserspeicher mit bis zu 13.500Liter Waser befandet. Das Amtsgericht hatte somit schon damals fließendes Wasser.
Das Wohngebäude, das man auf der anderen Seite des Hofes sehen kann, wurde in den 1970er Jahren errichtet. Vorher stand an der Stelle das Amtsgerichtsgefängnis, in dem Angeklagte mit Fluchtgefahr vorübergehend bis zu ihrer Verhandlung in den kommenden Tagen eingesperrt wurden. Das Gebäude hatte in Dieburg auch den Spitznamen „Täubchenhaus“, da hier nach dem zweiten Weltkrieg auch junge Frauen eingesperrt wurden, die zur Versorgung ihrer Kinder oder Familie notgedrungen der Prostitution nachgingen und aufgegriffen wurde. Prostitution war damals, anders als heute, strafbar.
Der ganze vordere Flügel des Gebäudes (zum Gefängnis hin) wurde bis Anfang der 1960er Jahre als Wohntrakt genutzt. Im Souterrain wohnte ein Justizwachtmeister mit seiner Familie. In den beiden Geschossen darüber, die vom Schnitt her weitgehend mit dieser Wohnung übereinstimmten, wohnte der Oberamtsrichter mit seiner Familie. Der Zugang erfolgte bis zum Umbau in den 1960er Jahren über eine Außentür, die sich im Bereich des heutigen Waschraums neben dem Abort befand. Bis dahin befand sich auf der südlichen Außenseite auch eine aus Sandstein gefertigte Treppe samt Terrasse, die den Zugang in die Erdgeschosswohnung und den Treppenturm verschaffte.
Das massive Treppenhaus, wurde erst in den 1960er Jahren eingebaut, als die Gerichtsbezirke „Groß-Umstadt“ und „Reinheim“ aufgelöst und dem Amtsgericht Dieburg zugeschlagen wurden. Das Gerichtsgebäude in Groß-Umstadt wurde noch eine Zeit lang als Außenstelle des Amtsgerichtes Dieburg weiterbetrieben, während das Gebäude in Reinheim bald aufgegeben wurde. Viele Beamte mussten nach Dieburg wechseln.
Nachdem auch das Amtsgerichtsgefängnis aufgegeben und abgetragen wurde, konnte man auch auf die Wohnung des Justizwachtmeisters verzichten, der zuvor auch für das kleine Gefängnis nebenan zuständig war (u.a. Kohlen für die Heizung nachlegen, Essen und Wasser bringen). Die Wohnungen wurden zu Büros umgebaut, die getrennte Erschließung der Bereiche wurde verändert, damit man die Büros nunmehr direkt erreichen konnte. Daraus resultieren leider auch die zahlreichen Höhenversätze im Gebäude in diesem Trakt.